HOCHZEITSFOTOGRAFIE FÜR BRAUT UND BRÄUTIGAM
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HOCHZEITSFOTOGRAFEN-ETIQUETTE: WANN FOTOGRAFIERT WIRD - UND WANN NICHT

Als der WPJA-Fotograf Michael Barber sein Siegerfoto von einer Braut in ihrem flatternden, herab fallenden Kleid machte, war das ein sprichwörtliches Marienbild. Die fotojournalistische Erfahrung Barbers erlaubte ihm, eine schwierige Situation zu meistern. Ohne Leiter und obwohl kein Bild auf Augenhöhe möglich war, stellte er den Fokus der Kamera ein, hob sie hoch über das Kleid und drückte ab.

"Ich wusste nicht, was für ein Foto ich gemacht hatte, bis ich es sah", sagte er "Das kommt von meiner Zeit bei Pressekonferenzen und Sportereignissen, als ich in einer Menschenmenge arbeitete und es nicht möglich war, aus Augenhöhe ein gutes Foto zu machen. Die Spontaneität des Fotos bringt den Spaß dabei."

Spontane Augenblicke wie diese sind das Ziel eines jeden Hochzeitsfotografen, aber nicht alle ungehemmten Momente sind witzig oder bewegend. Manche können absolut peinlich sein. Sollte man fotografieren, wenn eine Brautjungfer eine unpassende Garderobe à la Janet Jackson trägt? Oder weggehen, wenn die Braut sich auszieht, um ihr Kleid anzuziehen? Ein süßes fünfjähriges Blumenmädchen fotografieren, wenn sie ihr Kleid nur halb an hat? Wann ist es als Hochzeitsfotograf angebracht, einen Augenblick festzuhalten, und wann sollte man lieber gehen?

"Ich bin als Geschichtenerzähler da, nicht als Voyeur", sagt Barber. "Die Kunden fühlen sich wohl, wenn sie wissen, dass ich das als meine Aufgabe sehe. Sich umzuziehen ist vielleicht ein heikler Moment, aber sicher nicht einer, der der Sache im Wege steht."

Barber überlässt die Entscheidung, ob er bleiben oder gehen soll, der Braut. "Es kommt darauf an, wie der Kunde sich wohl fühlt. Wir alle wissen, dass sie ihre Straßenkleider aus- und ihr Brautkleid anziehen muss. Ich spreche vorher mit ihr darüber und sage ihr, dass ich den Raum verlasse, wenn sie sich nicht wohl fühlt und wieder komme, wenn sie sich wohl fühlt. Der gegenseitige Respekt ermöglicht mir, den Großteil der Zeit, wenn sie sich umziehen, ohne viel Aufhebens zu arbeiten. Aber es gibt Kunden, die möchten, dass ich rausgehe, wenn sie sich umziehen. Ich gehe dann wieder rein, wenn sie vollständig umgezogen ist, und das ist genauso in Ordnung."

PRIVATSPHÄRE

Es kommt selten vor, sagt WPJA-Preisträger Matt Kim, dass er gebeten wird, im Brautzimmer oder irgendwo anders keine Fotos zu machen. Er ist vielmehr oft erstaunt, wie viel Zugang er zu privaten Momenten hat - sogar bei feindseligen. An Hochzeiten kochen die Emotionen hoch und Streitigkeiten oder Meinungsverschiedenheiten kommen vor, "Aber ich lasse mich davon nicht stören", sagt er. "Ich bleibe im Raum und mache als Beobachter Fotos."

Kims preisgekröntes Foto, dass er in diesem Jahr in einem Brautzimmer in San Francisco aufgenommen hat, zeigt, wie wohl sich seine Bräute fühlen, wenn er mit ihnen im Zimmer ist, während Sie sich umziehen. Kim erwischte die lustige Grimasse der Braut, als ihre Freunde ihr in ihr Kleid halfen. "Diese Kleider anzuziehen, ist nicht das bequemste oder einfachste", sagt er. Die Schwierigkeiten beim Kampf mit dem Brautkleid gibt es bei Kims Hochzeiten immer wieder, aber bisher hat sich noch keine Braut gescheut, diese privaten Bilder in ihren Online- oder Fotoalben zu zeigen.

Michael Barber glaubt, dass der Moment, in dem die Braut ihr Brautkleid anzieht, ein wichtiger Augenblick ist, der nicht fehlen sollte, und er findet es toll, die Möglichkeit zu haben, dabei zu sein. "Manchmal passiert soviel, dass ich in der Halle bleibe, und sie vergessen, mich zu holen", sagt er. "Ich muss stets auf diese Situation warten, sonst verpasse ich den Moment, in dem sie das Kleid anzieht. Das ist ein Moment der Verwandlung. Die Braut verwandelt sich in von einem nervösen Mädchen, dem so viel im Kopf herumschwirrt, in eine Braut, die bereit ist, ihren Bräutigam zu treffen. Das ist der Moment, auf den wir wirklich warten, und es ist ein großer Moment für sie, ihre Mutter, ihre Schwestern und ihre Freunde."

Wäre es einfacher, wenn eine FotografIN die Szene fotografieren würde? Barber ist sich da nicht sicher. "Es geht nicht so sehr darum, wer im Raum ist, sondern was aus diesem Raum mitgenommen wird, das ist der Unterschied", merkt er an. "Wenn eine Braut sich dabei wohl fühlt, vor einem FotografEN oder einer FotografIN in Unterwäsche herumzulaufen, heißt das noch nicht zwingend, dass sie die Bilder auch online oder im Fotoalbum haben möchte, wo Familie und Freunde sie sehen. Eine FotografIN hat da vielleicht besseren Zugang, aber auch sie muss diskret bleiben."

FOTOGRAFIEREN VON ANDEREN SENSIBLEN SITUATIONEN

Privatsphäre liegt im Auge des Betrachters, meint WPJA-Medaillengewinnerin Julia Bailey. "Manchmal sagen Bräute, 'Bevor ich mein Kleid trage, machen Sie auf keinen Fall Fotos', und andere sagen, 'Oh, können Sie einige Aktaufnahmen machen?'"

"Ich habe meistens wunderschöne Bräute", fährt Bailey fort. "Es gibt keinen Grund, warum sie ihren Körper nicht zeigen sollten. Oft werde ich darum gebeten, ein Foto zu machen, wenn sie nichts tragen außer ihrem Schleier. Manchmal machen wir auch einen Termin [vor der Hochzeit] und erstellen ein Album, das sie ihrem Verlobten als Hochzeitsgeschenk überreichen."

Wie Michael Barber glaubt auch Bailey, dass Diskretion bei ihrem Umgang mit Akt- oder sensiblen Fotos an erster Stelle steht, weshalb sie diese Bilder auf ihrer Webseite in einer separaten Galerie zeigt. "Wenn ich Fotos mache, auf denen Körperteile entblößt sind, während die Braut ihr Kleid anzieht, wie beispielsweise die Brüste, stelle ich diese, auch wenn es nur in der Silhouette ist, nicht ins Internet, wo jeder sie sehen kann", erklärt sie. "Ich stelle sie in eine private Galerie, die gesperrt ist und auf die nur die Braut zugreifen kann. Dann ist es ihr überlassen, ob sie möchte, dass jemand die Bilder sieht. Mit Aktfotos gehe ich ebenso vor."

Matt Kim geht auch mit indiskreten Momenten, die es während der Hochzeit geben kann, sensibel um. Dies gilt insbesondere für den Empfang, wo angetrunkene Frauen in trägerlosen Kleidern manchmal mehr zeigen, als sie es sich bewusst sind. "Diese Bilder lösche ich", sagt er offen. Wenn andererseits etwas Dramatisches passiert, zögert er nicht, abzudrücken. "Bei einer Hochzeit, die an einem heißen Tag stattfand, fiel einer der Trauzeugen einfach um", erinnert sich Kim. "Ich rannte hin und richtete meine Kamera aus. Aber die Umstehenden meinten, ich solle keine Fotos machen. Ich machte einige Aufnahmen, wich aber zurück, anstatt zu versuchen, den Augenblick vollständig einzufangen."

Der Herr erholte sich und es ging ihm wieder gut, sagte Kim, aber es stellte sich die Frage, ob man Hochzeitsgäste in einer Notlage fotografieren sollte. "Ich denke, dass muss man in der Situation direkt entscheiden", sagt er ehrlich. "Wenn aber ein Großelternteil mit einer Herzanfall zusammenbräche oder ähnliches, sehe ich keinen Nutzen darin, das zu fotografieren. Ich versuche, mit meiner Arbeit die Realität dessen, was sich zugetragen hat, zu übermitteln, aber weiß Gott nicht, wenn jemand stirbt. Ich würde dann hoffen, dass ich einige Bilder desjenigen zu Lebzeiten habe.

Beim Fotografieren von nackten Kindern zögert Julia Bailey. Zum einen, weil sie selber Mutter ist, und zum anderen, weil sie sogar mit dem Anschein sexueller Ausbeutung sensibel umgeht. Sie hat schon Fotos von Kindern gemacht, die nur halb angezogen waren, erzählt sie, "aber obwohl es ein bezaubernder Augenblick ist, bin ich mir der Tatsache bewusst, dass das als pornografisch missverstanden werden könnte." Bailey ist daher sparsam mit dem Fotografieren unbekleideter Kinder, es sei denn, sie kann sich einfach nicht beherrschen. "Einmal gelang mir ein Foto von einem kleinen Mädchen in seinen Pluderhosen, das gerade sein Kleid anziehen wollte. Sie war sehr schüchtern und bedeckte sich mit den Armen. Ich konnte nicht widerstehen, ihre Schüchternheit war so süß."

Schüchternheit kommt bei Baileys Bräuten jedoch nicht besonders oft vor. Auch wenn sie unter ihrer altmodischen Trockenhaube ein bisschen wie ein Alien aussieht, hatte die Braut in Unterwäsche auf Baileys preisgekrönten Foto keine Bedenken, sich bei ihren Vorbereitungen für ihre Hochzeit in New Orleans fotografieren zu lassen. Und mehr als eine Braut hat sich vor Baileys männlichem Assistenten Max entkleidet gezeigt, der zufällig ihr Verlobter ist. "Eine Braut lief einmal fast nackt vor ihm herum und es machte ihr nichts aus. Aber ich fühlte mich dabei irgendwie unwohl. 'Hey', sagte ich, 'das ist nichts für deine Augen!'"

—von Lorna Gentry für die Wedding Photojournalist Association